Einbrecher, die Werbung machen

Traditionelle Abenteurer kämpfen sich durch den Amazonas oder umkreisen die Erde im Segelschiff. Aber auch die Großstadt hat sich als Spielplatz für Abenteurer etabliert – sie brechen stattdessen nächtens in Gebäude ein und posten davon Bilder im Internet.

“Placehacking” heißt das. Und klar ist es verboten, und vermutlich gefährlich. Das macht ja den Reiz aus.

Dafür gibt es dann Bilder wie dieses:

Source: http://www.silentuk.com/?p=3782#more-3782
Blick von der Baustelle des höchsten Gebäudes in Westeuropa – The Shard

Londons The Shard ist das höchste Gebäude in Westeuropa. Die vertikale Stadt von 310 Metern Höhe soll “eine Ikone für London” werden, hoffen die Stadtväter. Zwei Abenteurer haben auf unterschiedlichen Websites Bilder von ihrem nächtlichen Einbruch auf der Baustelle des “Shard” in London veröffentlicht, und dort über ihr Abenteuer berichtet.

Placehacker Bradley L. Garrett schreibt auf placehacking.co.uk:

As I climbed up on the counterweight of the crane, my breath caught. It was a combination of the icy wind and the sheer scale of the endeavor that shocked me. Marc was looking down at London Bridge station and whispered, “the train lines going into London Bridge look like the Thames, it’s all flow.” Slowly, I pulled myself to the end of the counter weight and peered over the edge. Indeed, we were so high, I couldn’t see anything moving at street level. No buses, no cars, just rows of lights and train lines that looked like converging river systems, a giant urban circuit board.

Ihm verdanken wir Bilder vom Aufstieg selbst.

Source: http://www.placehacking.co.uk/2012/04/07/climbing-shard-glass/

Und Urban Explorer Otter auf Silent UK beschreibt den aufregenden Moment, als er und seine Mitstreiter fast erwischt wurden:

With the lack of an audible response, we assumed we had gotten in clean, undetected by the patrolling security guards until we reached the 23rd level. “Oi, stop!”, a voice echoed in the stairwell. Instinctively we hit the deck, slowly turning our heads to see who had caught us. No-one? Again we heard the voice, “Who are you?!”

Otters wunderschöne Bilder vom nächtlichen London sind mittlerweile so begehrt, dass man sie unter otter@silentuk.com auch als Poster bestellen kann.

Source: http://www.silentuk.com/?p=3782#more-3782

Zwar ist diese Art von PR für die Investoren aus Qatar und für den Developer Sellar Group gelinde gesagt problematisch (schon aufgrund der Unfallgefahr und der Wahrscheinlichkeit der Nachahmungstäter). Dennoch wirkt sie als spontane Werbung: Die Fotos werden auf Websites wie MetaFilter mit tausenden Lesern einer breiten Öffentlichkeit zugeführt. Dort sorgen sie gerade bei Kritikern des Bauprojekts für eine Mischung aus Neid und unfreiwilliger Bewunderung.

Und das ist eine gutes Gegenmittel, denn der Shard bekommt genügend Kritik. Das 435 Millionen Pfund-Bürohaus repräsentiert für viele die Zerstörung des traditionellen Stadtbilds und Stadtlebens zugunsten von international finanzierten megalomanen Projekten.

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